W23

Unsere Gesundheit, eine Religion?

Deine Meinung zählt. Du kannst sie über die Kommentarfunktion am Ende dieser Seite mit uns teilen.

Ich empfinde Gesundheit als eine individuelle Religion. Sie bindet die Menschen mehr an ihr Leben als ein angestammter oder angenommener Glaube, wozu ich auch den Atheismus zähle. Sie bestimmt allzeit, was wir als vordringlich erachten, was wir denken und wie wir handeln, welchen Überzeugungen wir folgen – so wir in Freiheit leben.

Jeder Mensch hat sein einzigartiges Wesen und Leben

Dabei vergessen wir häufig unsere Prägungen, Talente, Schwächen, Umstände, Chancen und Risiken, die uns als einzigartig auszeichnen. Diesbezüglich unterscheiden sich sogar Zwillinge, und je älter wir werden, desto persönlicher sind unsere Erfahrungen, die wiederum in unser Verständnis des Lebens einfliessen. Mit dem daraus entstehenden bewussten, aber auch durch das Unterbewusstsein geprägten Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Intuieren und Wollen entscheiden wir, was uns wichtig ist.

Alle von uns tragen die Verantwortung selbst

Dies ist vergleichbar mit den Einflüssen auf das Tun eines der Religion verpflichteten Menschen. Unabhängig davon, wie bewusst wir leben, beeinflussen wir auf diese Weise in jedem Moment unsere Gesundheit. Integrität, Vertrauen, Engagement, Sinnerfüllung, Gelassenheit und behaglicher Schlaf stärken sie; Angst, Zeitnot, Machtmissbrauch, Stress, Völlerei und Süchte schwächen sie. Für die Wahl dieser Lebensumstände sind wir verantwortlich, wie wir dies auch für unseren Glauben sind. Und zwar, ob wir das wollen oder nicht – ja, auch Menschen, welche die Verantwortung für ihre Gesundheit ablehnen, treffen eine Entscheidung. Und über diese können nur sie Rechenschaft ablegen. Je mehr wir uns dessen bewusst sind, desto mehr handeln wir zu unseren Gunsten und dessen, was uns wichtig ist, nutzen unsere Potentiale und dürfen beim Sterben das Leben als erfüllt betrachten.

Die individuelle Religion – Gesundheit – beschreiben

Dass diese Beobachtungen nicht aus der Luft gegriffen sind, bezeugen Jahrtausende alte, v. a. aus Asien stammende Praktiken, die heute zunehmend bei uns verbreitet werden. Unter diesen Betrachtungsweisen mag es für jedes Individuum lohnend sein, in ruhigen Momenten die eigene individuelle Religion – Gesundheit – zu beschreiben. Dabei dürfte es für viele Menschen besonders einsichtsreich sein, ihre Beschreibung auch aus der Perspektive möglicher Leiden und des sicheren Todes festzuhalten. Es mag ausserdem hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, in welchem Masse uns Situationen belasten, die wir schon morgen vergessen, ob wir Probleme auch als Hürden oder sogar Chancen wahrnehmen, wie weit wir Versuchungen widerstehen können und wie uns nahestehende Menschen einschätzen mögen.
Wenn das Ergebnis nicht zur Zufriedenheit ausfällt, mag sich die Frage lohnen, ob unser Verhalten zu einer Gesundheits- und damit einer Glaubens- sowie Lebenskrise führen könnte. Fragen wir uns dann, ob wir nun abwarten wollen, bis diese eintritt, oder ob wir gesundheitsentfaltende Verhaltensweisen annehmen wollen. Wenn ja, wann?

Gesundheit als allreligiöses Konzept

Nachdem wir Gesundheit als individuelle Religion besprochen haben, wollen wir den Blick in eine ganz andere Richtung wenden. Seit Jahrtausenden gibt es Religionen (die Ausgrabungen von Göbekli Tepe bei Sanurfa in Anatolien deuten auf ein gegen 12’000 Jahre altes Bergheiligtum hin), verbreitet von deren besten Kennern, charakterisiert durch bestimmte Glaubens-sätze und Riten. Obwohl alle diese Bekenntnisse vergleichbare transzendente Ziele verkünden, habe sich diese Kenner, die Theologen der verschiedenen Religionen, nicht auf das Allgemeingültige geeinigt. Zumindest nicht explizit.

Aus Sicht von Valeursanté lassen sich dennoch Gemeinsamkeiten konkreter benennen: Auseinandersetzung mit dem Transzendenten, Nächstenliebe, Handeln nach der «goldenen Regel» oder Respekt gegenüber seinen Mitmenschen dürften in den allermeisten Religionen, insbesondere dem Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum, enthalten sein. Genau diese und vergleichbare Werte erachten wir als Schiene der Gesundheitsentfaltung; ja wir sind überzeugt, dass das Leben nach diesen Werten Gesundheit entfaltet und Gesundheit ist. Aus dieser Perspektive wird Gesundheit selbst zu einem den Religionen innewohnenden Wesenszug. Gesundheit, so können wir sagen, erscheint als allreligiöses Konzept.

«Solange ich Gott nicht sehen kann, leugne ich seine Existenz», sagte ein Atheist zu einem Pfarrer. «Wenn das Ihr einziges Argument ist», antwortete der Pfarrer, «dann leugne ich aus dem gleichen Grund Ihren Verstand.»

Aus: Aldinger, Marco (2004). Ko(s)misches Bewusstsein.
Heuweiler: Verlag Marco Aldinger.

Prüfe!

Für diese These mag das nachfolgende Zitat Buddhas sprechen. Es fordert auf, die Dinge selbst zu prüfen, selbstständig zu denken und nicht einfach andere Auffassungen unhinterfragt zu übernehmen. Gerade darin spiegelt sich Gesundheit ebenfalls.
«Glaubt nicht an das, was ihr gehört habt; glaubt nicht an Traditionen, nur weil sie über viele Generationen hinweg überliefert worden sind; glaubt nichts, weil es als Gerücht kursiert oder weil viele darüber sprechen; glaubt nichts nur deshalb, weil es angeblich durch eine schriftliche Äusserung irgend eines alten Weisen bestätigt wird; glaubt nicht an Mutmassungen; glaubt nicht nur an die Autorität eurer Lehrer und Ältesten. Wenn eure eigenen Beobachtungen und eure Analyse mit den logischen Erwägungen des Verstandes übereinstimmen und das Geprüfte dem Wohl aller förderlich ist, erst dann akzeptiert es und lebt ihm entsprechend.»

Bruno und Reto

2019-02-16T18:45:52+00:00

Kommentar hinterlassen

Verwendung von Cookies: Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung Ok, verstanden!